Die Studienergebnisse im Überblick
Die Gesundheit der Mitarbeitenden verbesserte sich
Die Teilnehmenden berichteten von signifikanten Verbesserungen der mentalen und körperlichen Gesundheit während der Testphase. Die Smartwatch-Daten bestätigten dies und zeigten, dass die Teilnehmenden der 4-Tage-Woche rund 1,5 Stunden weniger Stress pro Woche hatten als die Kontrollgruppe.
Mehr physische Aktivität und besserer Schlaf
Gemessen an der Schrittzahl erhöhte die Einführung der 4-Tage-Woche die körperliche Aktivität um 1.848 Schritte pro Woche gegenüber der Kontrollgruppe und steigerte die Zeit der physischen Aktivität um rund 24 Minuten. Zudem schliefen die Teilnehmenden an der 4-Tage-Woche durchschnittlich 38 Minuten pro Woche länger als ihre Kolleg*innen in der 5-Tage-Woche.
Stabile Produktivität und Leistungssteigerung
Obwohl die Arbeitszeit um fast vier Stunden pro Woche reduziert wurde, blieben die finanziellen Leistungskennzahlen wie Umsatz und Gewinn stabil. Dies deutet darauf hin, dass die Mitarbeitenden in der verkürzten Zeit fokussierter und effizienter arbeiteten. Die Unternehmen konnten somit die gleiche Leistung in weniger Arbeitszeit erzielen.
Verbesserte Arbeitsprozesse und Effizienz
Um die Reduzierung der Arbeitszeit auszugleichen, stellten viele Mitarbeitenden ihre Arbeitsweisen auf den Prüfstand: 65 Prozent reduzierten Ablenkungen, 63 Prozent optimierten ihre Arbeitsprozesse und 52 Prozent passten die Struktur ihrer Meetings an. Zudem nutzten 32 Prozent gezielt Fokuszeiten, und 25 Prozent führten neue digitale Tools ein, um die Arbeitseffizienz weiter zu steigern.
Zufriedeneres Familien- und Sozialleben
Vor der Einführung des Modells wünschten sich 64 Prozent der Mitarbeitenden mehr Zeit mit der Familie; während der Testphase sank dieser Wunsch auf 50 Prozent, da viele das Bedürfnis durch die 4-Tage-Woche stärker erfüllt sahen. Insgesamt hatten die Teilnehmenden in der 4-Tage-Woche mehr Zeit für Familie, Freunde, körperliche Aktivitäten und Selbstfürsorge.
Höhere Arbeitszufriedenheit und stärkere Arbeitgeberattraktivität
Die allgemeine Zufriedenheit der Mitarbeitenden im Rahmen der 4-Tage-Woche stieg, und die Unternehmen berichteten von Verbesserungen bei der Rekrutierung und Mitarbeitendenbindung – und somit einer verbesserten Arbeitgeberattraktivität.
Wie geht es für die Unternehmen nun weiter?
73 Prozent der Unternehmen gaben an, die 4-Tage-Woche nach der Testphase weiterzuführen, und auch 83 Prozent der Mitarbeitenden wünschen sich eine Fortsetzung.
Damit hat sich die Vier-Tage-Woche auch im deutschen Pilotprojekt als ein vielversprechendes Arbeitsmodell erwiesen, das die Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeitenden verbessern kann, ohne auf Kosten der Produktivität zu gehen. Trotz einiger Herausforderungen bietet das Modell eine wertvolle Möglichkeit, die Zukunft der Arbeit flexibler und nachhaltiger zu gestalten. Unternehmen, die an der Spitze dieser Bewegung stehen, könnten nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern, sondern auch neue Standards für das Arbeitsleben setzen.
Über die Studie und ihre Datenerhebung
Die Studie umfasste drei Wellen der Datenerhebung: vor dem Beginn, in der Mitte und am Ende der Testphase. Dabei kamen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz: Durch Umfragen und Interviews wurden die subjektiven Wahrnehmungen von Mitarbeitenden und Führungskräften erfasst. Darüber hinaus trug ein Teil der Teilnehmenden Smartwatches, die kontinuierlich Daten über deren physische Aktivität oder Schlafmuster sammelten. Ein weiterer Baustein waren Haarproben zur Messung der Stressbelastung.
Motivation und Ziele der Studie
Die Studie zur 4-Tage-Woche in Deutschland zielte darauf ab, die Auswirkungen einer verkürzten Arbeitszeit ohne Gehaltskürzung auf Mitarbeitende und Unternehmen zu messen. Im Fokus standen Aspekte wie Produktivität, Arbeitszufriedenheit, Mitarbeitendengesundheit und Stressmanagement. Untersucht wurde zudem, ob dieses Modell dazu beitragen kann, Arbeitgeber attraktiver zu machen, neue Talente zu gewinnen und bestehende Mitarbeitende zu halten.
Erwartungen und Motivation der teilnehmenden Unternehmen
Zu den Hauptgründen, warum Unternehmen die 4-Tage-Woche testen wollten, nannten 89 Prozent die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, 77 Prozent die Verbesserung der Gesundheit der Mitarbeitenden, 57 Prozent die Erwartungen an Wachstum der Produktivität und 37 Prozent die Zukunftsausrichtung.
Die teilnehmenden Firmen
An der Studie haben 45 Unternehmen verschiedenster Branchen aus Deutschland teilgenommen, darunter Dienstleistungen, Produktion, Bauwesen, Gesundheitswesen, IT und Versorgungsunternehmen. Die Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen waren kleine (10–49 Mitarbeitende) oder mittlere Betriebe (50–249 Mitarbeitende).
Zu den Initiator*innen
Hauptorganisator war die Intraprenör GmbH, ein Berliner Beratungsunternehmen, das die teilnehmenden Unternehmen akquirierte und durch die Testphase führte. Die wissenschaftliche Leitung lag bei der Universität Münster, unter der Führung von Professorin Dr. Julia Backmann und Dr. Felix Hoch. Zusätzlich arbeitete ein Team des Boston College unter der Leitung von Professorin Dr. Juliet Schor an der Datenerhebung. Die gemeinnützige Organisation „4 Day Week Global“ unterstützte das Projekt und brachte ihre internationale Expertise ein. Die Zusammenarbeit all dieser Akteur*innen sorgte für eine solide wissenschaftliche Fundierung und globale Perspektiven.
Kontrollgruppen erhöhen die Validität der Daten
Parallel zu den Teilnehmenden in der 4-Tage-Woche wurden Kontrollgruppen gebildet, die während der Testphase weiterhin im traditionellen 5-Tage-Woche-Modell arbeiteten. Sie dienten als Vergleichsgruppe, um die Auswirkungen der 4-Tage-Woche besser messen zu können. Die Daten der Kontrollgruppe spielten also eine entscheidende Rolle, um valide Schlussfolgerungen über die tatsächlichen Effekte der 4-Tage-Woche zu ziehen.
Die Umsetzungen der 4-Tage-Woche
Die Unternehmen konnten selbst entscheiden, wie sie die 4-Tage-Woche einführen wollten. Konkret reduzierten 46 Prozent der Unternehmen ihre Arbeitszeit um 10 Prozent oder weniger. Weitere 20 Prozent verringerten ihre Stunden um 11 bis 19 Prozent, während 34 Prozent eine Reduktion um 20 Prozent wählten. Dies bedeutet, dass 34 Prozent der Unternehmen die Arbeitswoche um einen ganzen Tag reduzierten, ohne die restliche Arbeitszeit zu komprimieren, während die übrigen Unternehmen eine Umverteilung vornahmen, sodass die verbleibenden vier Tage mehr Arbeitsstunden enthielten.
85 Prozent der Unternehmen legten einen vollen freien Tag fest, während 15 Prozent alternative Modelle anboten, wie etwa einen freien Tag alle zwei Wochen oder den Mitarbeitenden völlige Freiheit bei der Verteilung ihrer Arbeitszeit lassen. In etwa 60 Prozent der Unternehmen haben die Mitarbeitenden nicht denselben freien Tag. Im Gegensatz dazu haben 40 Prozent der Unternehmen einen festen freien Tag für alle Mitarbeitenden eingeführt, wobei dies zu 51 Prozent der Freitag war. 17 Prozent legten entweder Freitag oder Montag als freien Tag fest, und 32 Prozent wählten verschiedene andere Kombinationen, einschließlich freier Wahl oder wechselnder freier Tage.
Der Zeitraum des Pilotprojekts
Offizieller Start des Pilotprojekts zur 4-Tage-Woche in Deutschland war der 1. Februar 2024. Zu diesem Zeitpunkt stiegen bereits 51 Prozent der Unternehmen in das Projekt ein. Alle weiteren Unternehmen begannen zwischen Januar und Juni 2024. Insgesamt umfasst der Testzeitraum für jedes Unternehmen sechs Monate, sodass sich einige Unternehmen aktuell noch im Testlauf befinden.
Fazit
Obwohl die Aussagekraft der Studie begrenzt ist, da die teilnehmenden Betriebe und Organisationen nicht repräsentativ für die gesamte deutsche Wirtschaft stehen können, ist der aufgezeigte Trend klar positiv. Wie auch in anderen Ländern, die ähnliche Studien durchgeführt haben (unter anderem Irland, Großbritannien, Australien, Südafrika, Portugal und Brasilien), zeigt sie, dass die 4-Tage-Woche auch in Deutschland funktionieren kann.
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